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Weinbau Verhältnisse 2019

04.11.2019

Phänologieverlauf
Hohe Temperaturen zu Jahresbeginn und warme trockene Böden haben für einen sehr frühen Austrieb Mitte April gesorgt. Dieser Vorsprung von 9 Tagen vor dem lang-jährigen Mittel hatte sich im April auf fast 2 Wochen ausgebaut, bis die Vegetation im Mai durch die kühlen und regnerischen Wetterbedingungen gebremst wurde. Die Blüte begann dann mit nur noch zwei Tagen Vorsprung vor dem 30-jährigen Mittel. Über Sommer konnte die Rebe aber noch-mals etwas aufholen, so dass der Reifebeginn beim Riesling am 14. August mit einem Vorsprung von knapp einer Woche festgestellt werden konnte. Aufgrund der rasanten Reifeentwicklung im weiteren Verlauf konnte mit der Lese der Rieslingtrauben in der letzten Septemberwoche begonnen werden.

Witterungsbedingte Schädigungen
Gewitter mit Hagel und örtlich auftretende Starkregenereignisse haben in diesem Jahr im Rheingau nur zu geringen Schäden geführt. Einschneidend war aber die Hitzewelle im Juli, die wie oben erwähnt am 25. Juli ihren Höhepunkt erreicht hatte. Bei diesen bisher noch nie dagewesenen Temperaturen sind die Trauben teilweise an ihre physische Grenze gekommen und kollabiert. Hitzeschäden sind bei allen Rebsorten, Er-ziehungssystemen und Lagen aufgetreten. Entscheidend war die Temperatur, die sich im Weinberg aufbauen konnte. Glücklicherweise sind die geschädigten Trauben schnell eingetrocknet, so dass kein weiterer Schaden durch Pilzinfektionen entstehen konnte.
Vor allem Jungfelder auf leichten Böden und Steillagenweinberge im 2. und 3. Standjahr haben unter der Trockenheit gelitten. Oft war die Entlastung der Rebstöcke durch abschneiden von Trauben bereits im Sommer, die einzige Möglichkeit, um die jungen Reben vor größeren Schäden zu bewahren.

Krankheiten und Schädlinge
Hohe Temperaturen und geringe Niederschläge sorgten für eine entspannte Situation beim Rebschutz. Peronospora hatte kaum eine Chance, sich zu entwickeln und wurde deshalb nur lokal mit sehr wenigen Ölflecken registriert. Erst Ende August traten an jungen, ungeschützten Blättern geringfügig Infektionen auf. Für den Echten Mehltau waren die Bedingungen günstiger, was man an anderen Pflanzen, wie z. B. an Rosen deutlich sehen konnte. Durch einen konsequenten Pflan-zenschutz konnte aber die Entwicklung von Oidium an der Rebe lange verhindert wer-den. Erst zum Ende der Pflanzenschutzsaison wurde in gefährdeten Weinbergen ver-einzelt Pilz-Myzel auf Trauben entdeckt.
Die Kirschessigfliege hatte zu Reifebeginn der Rotweinsorten bessere Bedingungen wie im Jahre 2018, da es in diesem Jahr in diesem Zeitfenster nicht ganz so heiß war. Bei frühreifenden Rotweinsorten konnten deshalb auch vereinzelte Eiablagen nachgewiesen werden. Der Schaden durch die Kirschessigfliege war insgesamt aber gering. Größere Schäden entstanden durch Rehe und Wild-schweine, die sich immer mehr in den Weinbergen ausbreiten. Durch die verletzten Beeren wurden dann Wespen, Bienen und Fruchtfliegen angelockt, die die Winzer, vor allem bei Dornfelder, zu einer schnellen Lese zwangen.

Ernte
Trotz der Trockenheit des Sommers präsentierten sich die Weinberge zu Beginn der Lese in einem guten Zustand. Die Mostgewichte stiegen zügig an. Die Aromatik der Trauben präsentierte sich wenige Tage vor Beginn der Hauptlese mit schönen fruchtigen Noten. Da die Trauben mit Hitzeschäden vollständig eingetrocknet waren hatten sie auch keine negativen Auswirkungen auf die Beschaf-fenheit des Lesegutes. Dies galt zu diesem Zeitpunkt auch für vereinzelte Infektionen mit Botrytis an kompakten Trauben, die bei trockenem Wetter kurz vor der Ernte keine Gefahr darstellten. Da sich aber zu Beginn der Rieslinglese die Wettersituation geän-dert hatte und die Reben das Wasser bekommen haben, welches sie im Sommer ver-misst haben, breiteten sich Botrytis-Infektionen schneller aus als erwartet und ab der 2. Oktoberwoche wurden die Erntemengen / Hektar zusehends immer geringer. Ab diesem Zeitpunkt konnten dann auch Edelsüße Trauben für Beerenauslesen und Trockenbeerenausle-sen selektioniert werden. Da die physiologische Reife der Trauben zu Beginn der Lese schon optimal war und die vorherrschende Witterung zu keinem Risiko einlud, erfolgte die Lese sehr zügig, wobei ne-ben der maschinellen Lese, die Handlese im Rheingau immer noch eine große Rolle spielt. Die Verbrau-cher dürfen sich aufgrund der Säurestruktur und der Aromabildung in den Trauben auf ausgewogene und hochwertige Weine des Jahrgangs 2019 freuen. Die Ernte war bis auf einige Spezialitäten, die länger am Stock blieben, Mitte Oktober beendet.

 

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