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Jahresrückblick mit Weinbausicht

10.11.2020

Jahresrückblick 2020 Teil II aus weinbaulicher Sicht

Witterungsverlauf

Wie letzte Woche im meteorologischen Rückblick schon ausführlich beschrieben, war 2020 das dritte Jahr in Folge mit unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen und überdurchschnittlichen Temperatu-ren. Von Jahresbeginn an, bis zum Beginn der Vegetationsperiode war es deutlich zu warm. Nur der Mai brachte, wie auch schon im Jahr 2019 der Natur eine kurzfristige Abkühlung mit Temperaturen unter dem langjährigen Mittel. Die Monate Juni und Juli lagen nur leicht über dem Mittel, bevor der August und September wieder deutlich zu heiß wurden. Im Gegensatz zu 2019 hatten wir im vergangenen Jahr, in den Wintermonaten ein Plus bei den Niederschlägen. Im Rheingau lag dies regional bei bis zu 40 l/m². Somit war der Start in die Vegetationsperiode 2020 mit einem geringeren Defizit möglich, wie im Vorjahr. Mit den vereinzelten Niederschlägen in der Vegetationsperiode, ist es Ertragsanlagen gelungen den Sommer weitestgehend unbeschadet zu überstehen.

Phänologieverlauf

Die überdurchschnittlichen Temperaturen im Frühjahr und die leicht erhöhten Winterniederschläge wa-ren die Basis für einen sehr frühen Austrieb der Hauptrebsorte Riesling zu Karfreitag, am 10. April. Dies ist nach 2014 (07. April) der zweitfrüheste Termin seit unseren Aufzeichnungen. Und ein Vorsprung von 12 Tagen gegenüber dem 30-jährigen Mittel. Die Blüte hat an Pfingsten (30. Mai) mit 10 Tagen Vorsprung zum Mittel begonnen, sich aber durch einen Kälteeinbruch ab Pfingstsonntag dann lange rausgezogen.

 

Die Blüte dauerte mit 10 Tagen, 3 Tage länger als der langjährige Durchschnitt. Die Entwicklung der Beeren war dadurch auch sehr unterschiedlich. Man konnte diese Unterschiede nicht nur zwischen verschiedenen Weinbergen erkennen, sondern auch an einzelnen Trauben verschieden Entwicklungsstadien der Beeren beobach-ten. Trotzdem hat es sehr wenig Verrieselung gegeben und die Basis für sehr kom-pakte Trauben war gegeben. Der Einsatz von Bioregulatoren, zur Auflockerung der Traubenstruktur war schwierig, da die Blüte so verzettelt war, und ein optimaler Zeitpunkt fast nicht zu definieren war. Zwei Wochen nach Beendigung der Blüte war bei den ersten Trauben schon der Traubenschluss zu beobachten. Durch den star-ken Anstieg der Temperaturen im August, war die Entwicklung sehr schnell, sodass wir am 11. August den Reifebeginn (25° Oe) für Riesling messen konnten. Der Ab-bau der Säure war in dieser Entwicklungsphase hoch.

Witterungsbedingte Schädigungen

In diesem Jahr hat es wenig witterungsbedingte Schäden im traditi-onellen Sinn gegeben. Die Temperaturerhöhung und sommerliche Witterung Anfang August haben teilweise zu Sonnenbrandschäden geführt, aber nicht vergleichbar zu den Hitzeschäden in 2019. Witte-rungsbedingt mussten in diesem Jahr die Jungfelder unter der Tro-ckenheit am meisten leiden. Ertragsanlagen haben sich sehr lange symptomfrei präsentiert. Erst kurz vor der Lese haben gelbe Blätter in der Traubenzone den anhaltenden Stress mancher Weinberge auf leichten Böden und in Steillagen sichtbar gemacht. Die Reifeentwick-lung wurde dadurch aber nicht mehr negativ beeinflusst.

 

Krankheiten und Schädlinge

Das Jahr 2020 hat Schadpilzen kaum eine Chance gege-ben sich zu entwickeln. Die Prognosemodelle für Perono-spora hatten Anfang Mai eine geringe Wahrscheinlichkeit für Primärinfektionen berechnet und somit für etwas Unsi-cherheit gesorgt. Zum Glück hat die Natur die Berechnun-gen nicht umgesetzt. Wir konnten keine Infektionen be-obachten. Deshalb können wir sagen: Peronospora gab es im Rheingau in 2020 nicht. Lediglich der Echte Mehltau konnte sich kurz vor Reifebeginn in einigen Weinbergen entwickeln. Grund dafür waren zum Teil Einzelbeeren, die in Ihrer Entwicklung etwas zurücklagen und noch in der empfindlichen Phase waren, obwohl man den Eindruck hatte, dass die Trauben schon aus diesem Fenster draußen sind. Hier kamen Stopp-Spritzun-gen zum Einsatz. Aber auch durch die weitere Entwicklung der Trauben wurde die Ausbreitung des Pil-zes auf natürlichem Weg gebremst. Trotzdem war zu beobachten, dass von wenigen Infektionsherden in der Gemarkung ausgehend, Nachbarweinberge in den Grenzzeilen befallen wurden. Befall am Laub konnte man auch sehr spät noch beobachten. In befal-lenen Weinbergen musste zum Teil selektiv gelesen werden. Aber im Großen und Ganzen stellte auch dieser Pilz in den meisten Weinbergen kein großes Problem dar. Durch die Kompaktheit der Trauben, haben sich kurz vor der Ernte noch Trauben abgedrückt und zu leichten Botrytis-Infektionen geführt, die aber so gering waren, dass sie auf die Qualität des Lesegutes kaum Einfluss hatten. Lockerbeerige Trauben waren bis zum Ende der Lese zu 100 % gesund.

Sehr auffällig war die Ausbreitung von Esca. Teilweise auch schon in recht jungen Weinbergen. Durch das 3. Stressjahr in Folge, konnte sich Esca an den geschwächten Stöcken gut etablieren. Die Anzahl der geschädigten Stöcke war sehr hoch.

Bei den tierischen Schädlingen sind nur wenige Schaderreger in 2020 aufgefallen. Vor allem in Jungfel-dern, wurden kurz nach dem Austrieb Blattverformungen und schlechter Wuchs gemeldet Die Ursache war ein Befall durch Thripse, teilweise aber auch in Kombination mit Kräuselmilbe. Zum Reifebeginn der roten Traubensorten war natürlich auch wieder Saison für die Kirschessigfliege. Wir konnten sehr hohe Flugaktivitäten feststellen, aber die Anzahl der Eiablagen und die damit verbundenen Verletzungen von Beeren war sehr gering. Eiablagen hatten wir im Rheingau nur bei der Rebsorte Dornfelder. Teilweise war der Schaden durch Wildverbiss und Wespenfraß größer.

Ein großes Thema ist in diesem Jahr wieder die Reblaus. Ab Mitte des Sommers war es fast unmöglich durch die Weinberge zu fahren, ohne dass man über die Reblaus „gestolpert“ ist. Es ist jetzt das 3. Jahr in Folge, dass die Reblaus ein verstärktes Problem im Rheingau ist. Egal ob es Amerikaner-Reben auf Drieschen, in Gräben, auf Mauern, …, oder sogar hochgezogene Unterlagen in Ertragsanlagen sind, die Reb-laus findet überall optimale Bedingungen sich weiter auszubreiten. Ob das gut ist …, machen Sie sich darüber bitte selbst Gedanken. Wir ha-ben in diesem Jahr viele Anhörungen und Bescheide verschickt, aber das ist nicht die Lösung. Dieses Problem können wir nur in den Griff bekommen, wenn Sie es selbst erkennen und selbst aktiv werden.

Ernte

Die Mostgewichte stiegen zügig an. Die Aromatik der Trauben präsentierte sich wenige Tage vor Beginn der Hauptlese mit schönen fruchtigen Noten. Die physiologische Reife der Trauben wurde überall er-reicht. Die Hauptlese beim Riesling begann am 20. September und war nach 2 ½ Wochen weitestgehend beendet. Die ersten Moste, die in die Keller eingelagert wurden präsentierten sich mit einer angenehmen Frucht und ausgewogener Säure.

 

Bernd Neckerauer, RP Darmstadt, Dez. Weinbau

Herausgegeben von RP Darmstadt, Dez. Weinbau und Hochschule Geisenheim

 

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